Texte

Oscar Bronners Konsequenz

Ingried Brugger, 2013

In seinem Text zur vorliegenden Publikation beschreibt ihn Oscar Bronner selbst: den ständigen Zwiespalt, der seine Biografie begleitet hat, der ihm wiederholt Entscheidungen auferlegte, die sein Leben und sein Schaffen nachhaltig beeinflussten. Was verbindet den Medienmacher mit dem Künstler? Wie gehen sie miteinander um, privat ebenso wie in der Öffentlichkeit? Was zählt? Das gewichtige Wort für ein breites Publikum oder das im Atelier Geschaffene? Es sind dies Fragen, die schon lange nicht mehr eindeutig zu klären sind, nicht für den Beobachter von außen. Und wahrscheinlich auch für Oscar Bronner nicht. Zu dezidiert und gesellschaftlich relevant waren Bronners Unternehmungen, zu radikal schließlich auch der Entschluss, die operative Tätigkeit beim Standard aufzugeben und das Hauptaugenmerk einmal mehr auf die Malerei zu legen.

Oscar Bronner nähert man sich vielleicht am besten mit dem Hinweis auf die »Konsequenz«, mit der er sich den grundsätzlich so verschiedenen Herausforderungen gestellt hat. Und es ist dann auch »Konsequenz«, die seine Malerei wesentlich regiert die Entscheidung, sich an Problemen abzuarbeiten, sie aufzuspüren, zu verfolgen und zu einer Lösung zu führen.

Betritt man Bronners Atelier, in dem der Künstler für den Besucher die Bilder an die Wand gereiht hat, dann ist der erste Eindruck der einer gewaltigen Installation, eines Beatmens von Welt mittels Malerei. Im Zusammenspiel, in dem die Bilder ineinandergreifen, sich gegenseitig bedingen und hinterfragen, entwickeln Bronners Arbeiten ihren vollen Klang. Ich habe das selten in dieser Intensität erlebt. Es ist, als wären die Bilder füreinander geboren. Dem liegt ein durchgehender Stilentwurf zugrunde, auch ein Denken in Serien und das Beharren auf einer künstlerischen Problemstellung, die jedes Bild – für sich genommen – mannigfaltig umspielt und es somit zu einem notwendigen Teil eines lebendigen Ganzen werden lässt. Überhaupt ist »Lebendigkeit« ein Thema dieser Malerei – oder die Frage, wie der Künstler die Komplexität der Welt in Malerei fassen kann, noch dazu in eine Malerei, die mit Erzählung wenig zu tun hat. Genau genommen gibt es nicht viele Bilder, die man im strikten Sinn als gegenständlich bezeichnen kann. Gerade im aktuellen Schaffen sind die flüchtigen Reminiszenzen an landschaftliche, florale oder kosmische Motive nur mehr Anlassfall für eine Malerei, die sich selbst genügt, die Leben aus sich selbst heraus zu entwickeln vermag.

Oscar Bronner malt mit den Fingern, stellt also den direktesten Zugriff auf die Farbe sicher. Das prozessuale Element ist ihm wichtig. Der Expressionismus, den man angesichts eines solchen Schaffensprozesses erwartete, wird jedoch zurückgedrängt. Die Lebendigkeit erfüllt sich schließlich als umfassende Harmonie von Farbe, Formen und Schattierungen. Zuletzt geht es Oscar Bronner in seiner Arbeit um ein Gleichgewicht, das poetisch sein Licht zurückwirft auf seinen Schöpfer. Auch dadurch haftet den Arbeiten von Oscar Bronner etwas Prinzipielles, ja Transzendentales an.